Zwang und Drang des Wirtschaftswachstum

Das Wachstum des Kapitals und der von ihm bestimmten Produktion hat seine Ursache nicht in einem angeblich unersättlichen Konsum oder irgendeinen obskuren Drang des Menschen nach Wachstum. Seine wirkliche Ursache ist das tatsächlich unersättliche Streben nach der Vergrößerung des Mehrwerts durch Ausdehnung der Herrschaft der Kapitalisten über die Lohnabhängigen.

Dieses Streben nach Wachstum des Kapitals ist aber nicht allein durch die persöönlichen Neigungen der Kapitalisten bestimmt. Er wird vor allem durch die Konkurrenz erzwungen sowie durch den Klassenkampf. Beides treibt das Kapital dazu, die menschliche Arbeitskraft mit immer ausgeklügelteren  Apparaturen zu kontrollieren - vom Fließband bis zum Controllingsystem - und ihre Produktivität zu erhöhen. Die Konkurrenz ist tief in das System der Marktwirtschaft eingelassen. Eine Markt oder, was ein anderes Wort dafür ist, eine Geldwirtschaft ohne Überlerbenskonkurrenz ist grundsätzlich nicht möglich. Geld isoliert die Menschen voneinander und verhindert ein Handeln, das sich an gegenseitiger Anerkennung und Empathie orentiert. Praktisch zeigt sich das in der Konkurrenz um die Arbeitsplätze oder dem Kauf unter miesesten Bedingungen produzierter Waren.

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Neben dem Zwang zum Wachstum, den Konkurrenz und Klassenkampf ausüben, gibt es noch einen strukturellen Drang zum Wachstum. Dieser resultiert aus der Logik der Ware-Geld-Beziehung, die unter dem Regime des Kapitals als eine Geldwirtschaft zur Dominanz gelangt. Geld unterscheidet sich von selbst nur der Menge nach. Während jedes konkrete Bedürfnis befriedigt werden kann - niemand isst bis der Bauch platzt - ist die Geldakkumulation schrankenlos.

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Ausschnitte aus "Das Wachstum des Kapitals - seine Grundlagen und Grenzen von Andreas Exner u. Christian Lauk in "Ausgewachsen, Ökologische Gerechtigkeit, Soziale Rechte gutes Leben" VSA-Verlag 2011